Epilepsie in den Fokus der Politik rücken
Eröffnung einer Beratungsstelle in Karlsruhe


Anna Dorn, Lisa Marie Bick und Karin Drinsinger (v. l. n. r.) von der Epilepsieberatungsstelle in Kork werden abwechselnd einmal monatlich in Karlsruhe sein. Erst einmal geht Lisa Marie Bick ab September in Elternzeit, wie nicht schwer zu erkennen ist.
Foto: Frank Bürger

Am 1. Juli 2015 eröffnete das Epilepsiezentrum Kork in den Räumlichkeiten des Diakonischen Werkes Karlsruhe eine Außenstelle seiner Epilepsieberatung. Der Bedarf an Aufklärung  und fundierter Beratung über Fragen zu der Volkskrankheit und den damit verbundenen Themenbereichen ist groß. Doch eine finanzielle Sicherheit für die Zukunft fehlt bisher.

Ziel der Epilepsieberatung ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern. Hierzu führen die beiden Mitarbeiterinnen Beratungsgespräche und erarbeiten den Hilfebedarf der Klienten. Sie stimmen sich mit behandelnden Ärzten, Krankenkassen, Sozialbehörden, Schule, Arbeitgeber ab. Mit dieser umfassenden Beratung können häufig vorkommende soziale Folgen der Erkrankung, wie z.B. Schulversagen, Schulausschluss, Abbruch der Ausbildung, Verlust des Arbeitsplatzes, lange Arbeitsunfähigkeitszeiten und Frühberentungen vermieden oder minimiert werden. Viele Probleme der Klienten bestehen schon lange, zum Teil über Jahre. Eine Stelle, an die sie sich mit ihren Fragen wenden konnten, hatten die Klienten nicht. Die direkten Kontakte der Mitarbeiterinnen in der Beratungsstelle zum Epilepsiezentrum Kork erweisen sich in mehrfacher Hinsicht sehr positiv. Rückfragen und ein fachlicher Austausch mit den Ärzten sind niederschwellig möglich. In der Beratung entstehende Fragestellungen können schnell geklärt und weiterbearbeitet werden.

Allein 2014 und 2015 gab es fast 2.000 Kontakte per Telefon-und E-Mail sowie persönliche Beratungsgespräche. Die Mehrzahl der Kontakte erfolgte über Telefon aus ganz Baden-Württemberg. Dies zeigt, wie hoch hier der Bedarf an einer qualifizierten Beratung ist.

Mit der Außenstelle Karlsruhe soll dieser Bedarf für Nordbaden besser befriedigt werden.

Die Beratungstermine sind immer am ersten Mittwoch eines Monats von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr in Räumen des Diakonischen Werkes Karlsruhe (Kaiserstraße 172, 2. OG).
Ab dem 1. Juli  werden Anna Dorn und Karin Drinsinger von der Beratungsstelle in Kork vor Ort sein und sich den Fragen von Betroffenen stellen.

Seit 1. Oktober 2012 finanziert „Aktion Mensch“ die Arbeit der Beratungsstelle in Kork. Diese Förderung endet im September 2016. Derzeit gibt es Gespräche mit dem Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg, mit Krankenkassen und dem Ortenaukreis, um die Anschlussfinanzierung sicherzustellen. Bislang sind die Gespräche ohne Ergebnis.

Diese Unsicherheit thematisierte auch Robert Büchel, Kaufmännischer Vorstand der Diakonie Kork, in seiner Begrüßung. „Von allen Seiten, Sozialministerium Baden-Württemberg, diversen Krankenkassen, vom Landkreis wird das Angebot gut geheißen und begrüßt. Gleichzeitig wird jedoch mit großem Bedauern festgestellt, dass eine Beteiligung an der regelhaften Finanzierung leider nicht möglich ist.  Deutlich besser ist die Situation in Bayern. Dort werden die  Beratungsstellen über das dortige Sozialministerium finanziert. Insoweit würde ich mir an dieser Stelle bayerische Verhältnisse in Baden-Württemberg wünschen“ formuliert Büchel.

Die Erkrankung  selbst beleuchtete Prof. Dr. Bernhard Steinhoff, Ärztlicher Direktor des Epilepsiezentrums Kork. Anhand von Fallbeispielen verdeutlichte er die Notwendigkeit von weiteren Beratungsstellen und bedankte sich für die „warmherzige“ Unterstützung durch das Diakonische Werk Karlsruhe.

 

Wolfgang Stoll, Direktor der Karlsruher Diakonie, begrüßte die Eröffnung der Beratungsstelle als einen weiteren Schritt zum Ausbau des  Kompetenzzentrums für Generationen  und Gesundheit in der Kaiserstraße und setzt auf  eine zukunftsfähige Kooperation mit der Beratungsstelle in Kork

Neben dem Diakonischen Werk Karlsruhe unterstützte auch die die Selbsthilfegruppe für Epileptiker Karlsruhe das Projekt. Vorsitzende Susanne Viehbacher berichtete von den Versuchen über Schreiben an Landtagsabgeordnete die Politik für das Thema Epilepsie zu sensibilisieren.

Gemeinsam mit Viehbacher kämpft auch Stefan Conrad, Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung für den Aufbau finanziell gesicherter Beratungsstellen in der gesamten Bundesrepublik. Eine Arbeitsgruppe wird aufgebaut.

Dieses übergreifende Miteinander ist am Beispiel der neuen Karlsruher Beratungsstelle spürbar.

 


Kontakt

Epilepsieberatung des Epilepsiezentrums Kork
c/o Diakonisches Werk Karlsruhe
Kaiserstraße 172
76133 Karlsruhe
Tel. 0176 / 18411438
epilepsieberatung@epilepsiezentrum.de
www.epilepsiezentrum.de

Nachgefragt werden auch die angebotenen Schulungen in Kindergärten, Schulen und Betrieben. Zwischen Oktober 2013 und Juni 2015 wurden über 20 Schulungen durchgeführt. Kindergärten waren z.B. nach diesen Schulungen bereit, epilepsiekranke Kinder aufzunehmen.

Die Zusammenarbeit im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Epilepsiezentrum Kork, der Epilepsieberatungsstelle und dem CJD Offenburg hat zu einer besseren Eingliederung von jungen Menschen mit einer Epilepsie ins Arbeitsleben, und somit in die Gesellschaft, geführt. Zu Fachdiensten, wie z.B. der Integrationsfachdienst (IFD), besteht ein regelmäßiger Austausch. Die Epilepsieberatung kooperiert mit den Epilepsieselbsthilfegruppen in Baden-Württemberg und ist bundesweit mit den anderen Epilepsieberatungsstellen vernetzt.

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle sind Ansprechpartnerinnen und Koordinatorinnen des Fachteams „Epilepsie und Arbeit Baden“ im Netzwerk Epilepsie und Arbeit (NEA). NEA ist zuständig für die Beratung und Unterstützung bei Problemen am Arbeitsplatz als Folge einer Epilepsieerkrankung.


Ausführliches Bildmaterial von der Eröffnung

Medienresonanz

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Robert Büchel, Kaufmännischer Vorstand der Diakonie Kork, zur Eröffnung der Epilepsieberatungsstelle in Karlsruhe



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